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Schloss Lichterfelde

Schloss Lichterfelde

Als wir den Keller des Schlosses Lichterfelde zum ersten Mal betraten, fühlten wir uns in eine andere Zeit versetzt. Der Anblick, der sich uns bot, weckte in uns Assoziationen von geheimnisvollen mittelalterlichen Burgen und Schlössern mit geheimen Gängen, Kammern und versteckten Schätzen aus grauer Vorzeit. Unsere Nachforschungen endeten leider mit Ernüchterung. Es gibt zwar einige Legenden über die Entstehung des Schlosses und auch Geschichten über Geheimgänge, doch fanden wir nur wenig gesicherte Informationen.

Eine Inschrift über dem Schlossportal, die leider im Jahre 1893 überputzt wurde, bezeichnet als Baujahre 1565–1567, als Baumeister Joachim von Roncha aus Manila in Italien und als Bauherren die Gebrüder von Sparr. Diese Angaben erscheinen plausibel, weil der Vater der Brüder, zu dieser Zeit Oberhauptmann der Festung Spandau, kurz zuvor durch diesen italienischen Baumeister die Spandauer Festung im Auftrag des Kurfürsten Joachim II. hatte anlegen lassen.

Das Schloss wurde kurioserweise ohne Tür und Treppen erbaut. Diese befanden sich zusammen mit dem Eingang in einem Vorbau. Alle Zimmer hatten eine Wölbung. Der letzte Schlossherr ließ allerdings die Gewölbe in der obersten Etage abtragen. Bedeutsam waren der Waffensaal mit seiner Waffensammlung und der Rote Saal, ausgestaltet mit Wandmöbeln und Holztäfelung. Der um 1800 eingerichtete Weiße Saal war im Rokokostil und mit Empiremöbeln ausgestattet.

Weisser Saal

Als der Dichter Theodor Fontane Lichterfelde besuchte, empfing ihn der Schlossherr mit den Worten „Das Schloss hat weder Treppe noch Küche und besteht ausschließlich aus 12 Zimmern und 12 Klosetts.“

1945, nach Einmarsch der sowjetischen Soldaten in Lichterfelde, kam es nach Erzählungen von Dorfbewohnern auch zu Plünderungen im Schloss. Die Waffensammlung, Geschirr und Kristall wurden von den sowjetischen Truppen aus dem Schloss geholt. Die damaligen Schlossbesitzer, die Familie Oldenburg-Januschau wurde enteignet, das restliche Mobiliar unter Flüchtlingsfamilien aufgeteilt, die das Schloss für einige Zeit bewohnten.

Ab 1950 fanden Kindergarten, Schulküche und Schule der Lichterfelder in den Räumen des Schlosses Platz.

In den 70er Jahren erfuhr das im Renaissancestil erbaute Schloss gegen den Willen der Lichterfelder wesentliche Umbauten, welche die Fassade und den Dachstuhl bis zur Unkenntlichkeit veränderten und entstellten. Der Keller, die Grundmauern und die Räume mit Kreuz- und Tonnengewölben blieben jedoch erhalten.

1992 wurde der Schulbetrieb im Schloss eingestellt.

Gegenwärtig wird das Schloss von der Gemeinde für Rats- und Ausschusssitzungen sowie von Vereinen und Seniorengruppen genutzt. Der Jugendclub ist beliebter Treffpunkt für Jugendliche aus der Umgebung. Ja, und natürlich befinden sich auch das Castlestudio und das Büro des Vereins Mobile Jugendförderung Brandenburge e. V. im Schloss Lichterfelde.